Mehr Realität?

#mehrrealitätaufinstagram

Immer mehr vernehme ich die Laute bei Instagram mit sogar dem dazugehörigen Hashtag #mehrrealtitätaufinstagram, dass die Leser mehr Realität dargestellt haben möchten. Ja, das kann ich irgendwie verstehen….

…aber will man das denn eigentlich wirklich?

Ich meine: Wenn ich für meine Familie, oder noch genauer: Wenn ich für meinen Mann ein schönes Foto aus dem Urlaub machen wollte, weil er nicht dabei wäre: Da würde ich doch auch nur das beste Bild nutzen, nicht wahr?🙂 Genauso verhält es sich doch bei Fotos für die Familie oder Freunde. Ich kenne kaum jemanden, der in seinem Album zuhause hässliche Bilder klebt, es sei denn es hat ein fotodokumentarischen Effekt, wie „Baby isst Eis und hat eine Schokoschnute“ – aber: Keiner würde doch hässliche Bilder von sich oder seiner Umgebung dort zusammenstellen…oder?

Also warum sollte ich das nun bei Instagram machen?

Nehmen wir also an, dass wir das also nicht tun. So vergehen Wochen und Monate oder gar Jahre und die Follower puzzeln sich ein Bild vom Besagten zusammen, das vielleicht gar nicht oder zumindest überwiegend nicht der Realität entsprechen könnte.

Aber jetzt ist doch noch die Frage: Warum sollte das ein Problem sein?

Das Problem liegt meiner Meinung nach nicht in der Darstellungsweise des Anbieters, denn er oder sie möchte doch eigentlich nur sein möglichst BESTES ‚ZUM BESTEN‘ geben….das Problem köööööönnte der Empfänger sein, wenn er das Gefühl hat, dass er das nicht erreichen kann/ bekommen hat/ ihm angeboren wurde oder darstellen kann. Ist damit die Frage also nun im Raum, dass mehr Realität bei Instagram notwendig ist, um möglichen Neid zu unterbinden? Kann sein. Aber um eins beschneiden wir uns aber damit auf alle Fälle auch:

Um das Geschenk einer Illusion. Einen Anlass, der zum Träumen bewegen könnte. Ein Ideal, das mir ggf. ohne Instagram noch nicht mal klar war, dass ich es anstreben möchte.🙂

Ich für mein Teil habe wirklich viele, viele Impressionen durch Instagram geschenkt bekommen. Ich habe Meinungen gelesen und ich habe Stile betrachtet und mir ein Urteil darüber gemacht. Habe mir Gedanken gemacht, ob es für mich erwägenswert wäre oder warum ich diese Kleidung/Blume/Speise evtl. nicht mag. Ich möchte nicht MEHR REALITÄT auf Instagram. Instagram ist meine Zeitschrift am Abend. Ich möchte kein Foto vom Zahnarztbesteck und einen Kittel, der sich über den Fotografen beugt. Eine Opernsängerin muss auch zum Zahnarzt, aber deshalb möchte ich doch bei ihrem Konzert nicht auf einem Video auf der Bühne ihre Weisheitszahn-OP verfolgen. Nein! Neiiin! Mag ich nicht.

Und die Moral von der Geschicht? Mehr Realität? Die will ich nicht!💕

Wenn Du bei Instagram auch zu mir gehörst, dann weißt Du: Es gibt so gut wie immer ein P.S.!

 

P.S.: Veränderung der Realität bedarf der Frage, ob die Realität denn für alle gleich ist? Ich kenne ein Mädchen, das postet Fotos auf Instagram in einer so charmanten Art und Weise sich selber, das diese Bilder ihr mehr schmeicheln, als sämtliche Charmeure auf der ganzen Welt vereint schaffen könnten.
Ist das ok? Natürlich ist es ok und die Frage wäre ja auch noch gestattet: Warum denn auch nicht?

Mal mit dem Finger über Fakten kreisen lassen: Wir machen uns da unserer visuelle Wahrnehmung zu nutze. Im Instagram kann ich aber nicht die Realität wahrnehmen – ich nehme ja schließlich nur ein Bild war. Ich mache mir also ein Bild von einem Bild….ohne die Hinzunahme anderer Sinne, als dem Auge.

Das Wahrnehmungsbild muss aber nicht die Wirklichkeit darstellen.

Aber selbst wenn es so wäre, bleiben ggf. signifikante Informationen auf Grund der Zweidimensionalität verborgen. Schlaufuchs Uwe Scheler geht sogar so weit und sagt, dass Bilder den Anschein erwecken etwas abzubilden, auch wenn es nicht so ist. Die Bilder spiegeln dann nicht die Wirklichkeit, sondern stellen sogar erst eine Wirklichkeit her!

Also wenn man das jetzt zusammenrechnet, zwingt sich die Frage auf…warum soll es verwerflich sein, darzustellen, was immer man darstellen möchte?

Es kommt also auf das Ziel an.

Sind wir ggf. so geprägt, dass wir immer die bestmögliche für uns wahre Wirklichkeit darzustellen. So wie wir es in Bewerbungsverfahren schon gelernt haben? „Du hast Dich möglichst wahrheitsgetreu für den Personalchef abzubilden!“. Ja, wenn das Ziel ist, dem gegenüber ein möglichst wahres Bild von sich vorstellen zu sollen…dann vielleicht: Ja! Aber wo ist das von Nöten? Wenn es um die Existenz geht oder Zukunft?

Im Freizeitbereich ist das schon anders ausgelegt.
Wir sind umgeben von Illusionen.
Eine Sollbruchstelle aus dem Alltag.
Sie schenken Ausflüge in andere Welten.
…und das ist auch gut so!

Ach übrigens:
Ich bin gar nicht Manuel Neuer und in Wirklichkeit kann ich fliegen #hexhex 💕

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